Das Online-Compendium (ComDeG)

ist ein frei zugängliches, multiperspektivisches Referenzwerk für die deutsch-griechische Geschichte seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Diese bilaterale Geschichte soll als schon immer verflochten in europäischen transnationalen Interaktionen, Interpretationen und Übersetzungen erkennbar werden.

Das ComDeG umfasst zum einen die Essays, Artikel und Dossiers des Compendiums der deutsch-griechischen Verflechtungen, das vom Centrum Modernes Griechenland (CeMoG) mit dem Institut für Griechisch-Deutsche Beziehungen (EMES) der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen in Kooperation erarbeitet wird. Zum anderen beinhaltet das Informationsangebot die Wissensbasis des CeMoG mit Daten zu Personen, Institutionen, Objekten, Ereignissen, Wirkungsorten, Kontaktzonen und Vermittlungspraktiken sowie die damit vernetzten Sammlungen bibliographischer Einträge.

So erhalten Forscher*innen, Student*innen und allgemein Interessierte ein Werkzeug, das den Facettenreichtum der deutsch-griechischen Beziehungen dokumentiert und die Erforschung ihrer Geschichte(n) unterstützt. Weiterlesen

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Essays im Fokus

Gottfried Sempers Griechenlandreise: 1831-1832/1858

Fußend auf seinen 1858 veröffentlichten „Reise-Erinnerungen aus Griechenland“ unterziehe ich im vorliegenden Essay die Griechenland-Studienreise des Architekten Gottfried Semper (1803-1879) einer überprüfenden Durchsicht. Anders als in den Publikationen direkt nach der Reise, die das Thema „antike Polychromie“ umkreisen, konzentriert sich Semper in seinem 1858er Text auf das architektonische Erbe des Landes aus byzantinischer und osmanischer Zeit, wobei er parallel dazu auf die anonyme traditionelle Architektur auf Hydra und in der Mani aufmerksam macht, in der er – zu Lasten architektonischer Importmodelle aus Westeuropa – einen erstrangigen Bezugspunkt für die bauliche Entwicklung des neuentstandenen Staats erkennt. Wir haben es hier – womöglich erstmalig – mit einer positiven Würdigung der lokalen Bautradition zu tun, auf die Semper bereits ein halbes Jahrhundert früher zurückzugreifen vorschlägt, als moderne Architekten des 20. Jahrhunderts auf diese aufmerksam geworden sind. Die in diesem Essay vorgenommene Überprüfung des Semperschen Reisetexts befördert darüber hinaus neue Entdeckungen über vor Ort unternommene Forschungsarbeiten an byzantinischen Baudenkmälern ans Licht. In diesem Zusammenhang präsentiere ich einen Vorschlag zur Identifizierung einer Bildtafel in Sempers grundlegender theoretischer Abhandlung Der Stil (1860-1863), deren Herkunft sich bisher nicht belegen ließ. Neben architekturgeschichtlichen Fragen geht es auch um eine Annäherung an die „Reise-Erinnerungen aus Griechenland“ aus dem Blickwinkel der Philhellenismus- und Reiseliteraturforschung. Dazu analysiere ich die gängigen Topoi der Reiseliteratur und -ikonographie, aber auch die Mechanismen adaptiver Rezeption und Aneignung des griechischen Raums, die im von mir als später Beleg philhellenischen Schrifttums eingestuften Text Sempers aktiviert werden. Ferner zeige ich auf, dass dieser Text die Konventionen des üblichen philhellenischen Diskurses unterläuft, indem er das lebendige Handeln der Gegenwart nicht nach überlebenden Resten der antiken Vergangenheit durchsuchen, sondern für ein tieferes Verständnis dieser Vergangenheit selbst nutzen will. Überdies scheint es Semper, ganz im Gegensatz zur üblichen deutschsprachigen Griechenland-Reiseliteratur mit ihrer ständigen Suche nach Berührungspunkten zwischen Deutschland und griechischer Antike, eher um aktuelle Verbindungsmöglichkeiten zwischen deutscher und neugriechischer Kultur gegangen zu sein. Ausführlich beschäftige ich mich schließlich u.a. mit epistemologischen Aporien, die sich im Zusammenhang mit der fast 25 Jahre später erfolgten Schilderung der Griechenlandreise bemerkbar machen. Ich beleuchte die vielschichtigen Zeitebenen des Narrativs, in dem Sempers Griechenlanderfahrung stetig aktualisiert wird, sowohl in Bezug auf die Reiseliteratur und Ikonographie, mit der er sich unterhält, als auch in Bezug auf die Entwicklung der theoretischen Interessen des Architekten und auch auf die unerwarteten Wendungen in seinem Leben nach seiner Teilnahme an den Revolutionen von 1848/1849.

Übersetzung aus dem Griechischen: Joachim Winkler

„Unparteiische Justiz, unparteiische Zeugen“: die griechischen Entlastungszeugen im Prozess gegen Max Merten

Im Februar 1959 fand vor dem Athener Sondermilitärgericht gegen Kriegsverbrechen der Prozess gegen den Kriegsverbrecher Max Merten statt. Merten, der im Mai 1957 in Athen eher zufällig festgenommen wurde, war während der Besatzungszeit als Offizier der deutschen Wehrmacht in Thessaloniki stationiert. Den Anklagepunkten zufolge, die gegen ihn erhoben wurden, war er für die Deportation von 50.000 Juden aus Makedonien in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau sowie für die Plünderung jüdischer Vermögen und die Zerstörung jüdischer Denkmäler verantwortlich. Das gegen ihn eröffnete Gerichtsverfahren stellte seinerzeit eines der meistdiskutierten Ereignisse dar und bewegte die ganze Nation, die gespannt seiner Bestrafung entgegensah. Doch außer den Richtern und den Zeugen der Anklage erschien im Gerichtssaal auch eine Reihe von Zeugen, die in den Jahren der Besatzung eine dubiose und zwielichtige Rolle gespielt hatten. Sie eilten herbei, um dem wegen Kriegsverbrechen angeklagten Merten eine helfende Hand zu reichen. Zweck des Aufsatzes war es, auf den Aspekt der Entlastungszeugen zu fokussieren und durch die Nachzeichnung ihrer Lebenswege die Gründe verständlich zu machen, die diese Menschen dazu bewogen haben, für Merten auszusagen.

Übersetzung aus dem Griechischen: Theo Votsos

Artikel im Fokus

Πέτερ Κόβαλντ Ο Πέτερ Κόβαλντ (Peter Kowald, 1944-2002) ήταν Γερμανός μουσικός της τζαζ, ο οποίος ανέπτυξε στενές σχέσεις με την Ελλάδ
Μπέρνχαρντ ΣμιτΟ Μπέρνχαρντ Σμιτ (Bernhard Schmidt, 1837–1917) ήταν γερμανός κλασικός φιλόλογος με ερευνητικά ενδιαφέροντα για το νεοελ

Dossiers im Fokus

Ελληνογερμανικές διασταυρώσεις στα χρόνια του Όθωνα

Δεν υπάρχει άλλη περίοδος της νεότερης και σύγχρονης ιστορίας της Ελλάδας κατά την οποία η εισαγωγή κρατικών θεσμών να μετασχηματίζει την κοινωνία και τα πολιτισμικά πρότυπα σε βαθμό ανάλογο με αυτόν που παρατηρείται κατά τις τρεις δεκαετίες της βασιλείας του Όθωνα.

Οι γερμανικοί φιλελληνισμοί

Αυτός ο φάκελος συμπεριλαμβάνει τα πεδία των διασταυρώσεων μεταξύ Ελλάδας και Γερμανίας στο κεφάλαιο που έχουμε συνηθίσει να αντιλαμβανόμαστε ως ενιαίο γερμανικό φιλελληνισμό (ή και με αρνητικό πρόσημο μισελληνισμό). Ο πρώτος άξονας του συνεδρίου αφορά στην επανεκτίμηση των προσλήψεων του 1821 στις γερμανόφωνες χώρες και την κινητοποίηση που αυτές προκάλεσαν σε συνδυασμό με τα πολιτικά κινήματα βορείως των Άλπεων. (Σε αυτά τα κινήματα διασταυρώθηκαν άλλωστε εξαρχής μία πολιτική και μία πολιτισμική συνιστώσα, το πολιτικό φιλελληνικό κίνημα και η περιώνυμη στη σχετική βιβλιογραφία πολιτισμική τυραννία της αρχαίας Ελλάδας πάνω στη Γερμανία). Είναι αυτονόητο ότι, ο ρόλος των ελληνικών κοινοτήτων του γερμανόφωνου χώρου δεν θα πρέπει να ξεχαστεί σε αυτή την ενότητα. Με τον δεύτερο άξονα του συνεδρίου επιχειρείται η μελέτη των μετατοπίσεων αυτής της διασταύρωσης πολιτικής και πολιτισμικής συνιστώσας στα 200 χρόνια μετά την έναρξη της Ελληνικής Επανάστασης, στην επέτειο της οποίας είναι αφιερωμένο το συνέδριο.